8.6.12:
Mein Fleece, mein Ständer, mein Ladekabel, mein Tacho, meine Solaranlagen-Halterung. Immer wieder verliert man Dinge unterwegs auf die unvorhersehbarsten Arten. Das nervt. Die eigene Schuld nervt. Aber mittlerweile streiten wir uns nichtmehr über diese Dinge. Es ist klar, dass sie unvermeidlicher Teil der Tour sind, es gibt Schlimmeres! Gerade sitze ich am Eingangsschild von Aral und warte auf Hansens Anruf, hoffentlich mit der Nachricht, dass er das für die Halterung der Solaranlage wesentliche Teil gefunden hat, wenn nicht werde ich zum 4 Mal nach Aral reinfahren und in der anderen Richtung am Marktplatz danach suchen müssen. Ausgerechnet heute wo wir früh loskommen wollten um viele Kilometer zu schaffen.
Mein Handy klingelt:
“Hab se …” sagt Hansen, “wir treffen uns an der Kreuzung, ok?”
“Schon unterwegs” sag ich, klemme meinen Ständer unter das Gepäcknetz, setzte mir Kopftuch und Helm auf und fahre los, nicht ohne mich mehrmals umzusehen ob ich nicht etwas habe liegen lassen. Good Bye Aral.
Wir haben die letzen beiden Tage in Aral verbracht und außerhalb gezeltet. Wir waren mehrmals auf dem Markt einkaufen, langsam macht das richtig Spaß! Man kauft längst nichtmehr das erst beste, sondern lässt sich von den Marktfrauen überzeugen, probiert hier und dort mal und fühlt sich immer sicherer.
Natürlich wollten wir auch den Aralsee besichtigen, diesen einst riesigen, und jetzt fast ausgetrockneten Salzsee. Aber bis auf das ehemalige Hafenbecken blieb uns die Sicht verwehrt. Die Strasse zum See ist eine Sandpiste, und nach ca. 20 Minuten schieben in sengender Hitze haben wir aufgegeben. “So toll kam kein Salzsee der Welt sein” hatte Hansen gerufen und missmutig sein Fahrrad umgedreht.
Jetzt sind wir wieder auf dem Weg. Es ist fast zu einer Sucht geworden vorwärts zu kommen. Mehrere Tage an einem Ort machen sich sofort in der Laune bemerkbar, die entsprechend nach Aufbruch schlagartig besser wird. An unseren Lenkern baumeln zwei Tröten. Auf meinem letzten Einkauf auf dem Markt konnte ich nicht widerstehen: Endlich können wir die LKW Fahrer auch mal adäquat zurück grüßen.
Statt den LKW ist unser erstes Opfer allerdings eine Herde Kamele, die den Klang der Tröte wohl als ihre eigene Sprache verstehen. Hansen geht voll und ganz in dem Gespräch mit der Herde auf.
Unser zweites Opfer ist sind wiederum unerwartet zwei Franzosen, die mit einer Ente von Paris nach Delhi u d zurück fahren, ein Jahr Zeit haben Guillaume und Peggy. Ihre Website ist übrigens peripleenorient.free.fr
Als wir uns ca. eine Stunde später wieder verabschieden bleiben mir zwei sehr sehr liebe, lustige und auch etwas verrückte Menschen im Gedächtnis. “Welcome to the Globetrotter Family” hatte Guillaume gesagt, und das ist wirklich hängen geblieben. Er hat recht, die Leute die man unterwegs trifft sind ein bisschen wie Familie.
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