Darum

Posted by on Juni 28, 2012

Es ist schon wieder 7 Tage her, dass ich geschrieben habe. Aber ich kann mit gutem Gewissen sagen, es ist so viel passiert, dass ich die Zeit dazu nicht hatte. Ich habe mir aber fleißig Notizen gemacht um Euch wenigstens im Nachhinein auf dem Laufenden zu halten. Ich werde versuchen die Auflistung der Stichpunkte einigermaßen lesbar zu umschreiben, aber den Listencharakter werde ich wohl diesmal nicht ganz vermeiden können, wenn ich alles erzählen will.

Es ist der 20.6, wir haben wir den Markt in Turkistan verlassen und uns abends an einem kleinen Bewässerungskanal niedergelassen. Wir haben mittlerweile den Anspruch verloren uns in klarem Wasser zu waschen und nehmen jede Gelegenheit war. So liegen wir in dem ca. 50 cm breiten und 30 cm tiefen und schlammigen Kanal hintereinander auf dem Bauch und kühlen ab und waschen uns.

Am nächsten Morgen, dem 21., streiten wir uns mal wieder so richtig. Aber es ist ein guter Streit. Auch wenn es verbal zeitweise etwas unter die Gürtellinie ging, haben wir wohl mal wieder etwas an unserem Charakter entdeckt, wo wir uns einfach zu sehr unterscheiden, also eine potentielle Streitquelle.
Hansen wirft mir in dem Streit Egoismus vor und ich ihm totale Selbstlosigkeit, also dass er immer allen alles recht machen will. Auch wenn beides so nicht stimmt und masslos übertrieben ist, die Nuancen davon sind vorhanden und bieten immer wieder Streitpotential: Während ich der Meinung bin, das man zu eigenen Gunsten auch mal das Risiko eingehen kann, dass man ohne Absicht jemandem auf den Schlips tritt, versucht Hansen das auf eigene Kosten stets zu vermeiden. Der Streit ging also um eine tatsächlich fundamentale Meinungsverschiedenheit, umso überraschender war es, dass wir es beide so erkannt haben und es tatsächlich geschafft haben einen verträglichen Kompromiss zu beschließen.

Als wir es endlich schaffen aufzubrechen ist es schon spät. Wir fahren an endlosen Alleen mit Bewasserungskanälen entlang, in denen sich immer wieder grölende Kasachen in Unterhose und mit Bier in der Hand tummeln. Es ist ein wirklich herrlicher Anblick: Habt ihr schonmal gesehen wie Krebse ihre Scheren in Richtung einer vermeintlichen Bedrohung heben? Eben so heben die Badekasachen ihre Arme aus dem Wasser in unsere Richtung zum Himmel und rufen uns laut hinterher: “Adkuda?Adkuda?” Mehrfach versuchen sie mit ihrem Gebärde uns zum einsteigen zu motivieren, aber wir lehnen lachend ab. Natürlich können wir uns nichts besseres vorstellen als in einem kühlen Kanal zu stehen und kaltes Bier zu trinken, aber unsere Visa laufen in wenigen Tagen ab und wir wollen raus aus Kasachstan, ab in die Berge nach Kirgisistan. Nur einmal werden wir noch zum Anhalten gezwungen, als ein kleines Mädchen uns ein Autogramm abknöpfen will. Sie weiß über uns Bescheid ohne das wir ihr etwas erzählt hätten. So geben Hansen und ich das erste Autogramm in unserem
leben: “Alles gute wünschen wir dir, Jamira, Paul und Hansen auf dem
Weg nach Shanghai”

Abends lassen wir uns an einer Müllhalde nieder, um uns so kurz vor der als Gangster City angekündigten Stadt Shimkent vor den “Gangstern” zu verstecken, die natürlich wie es sich gehört abends anfangen besoffen auf Flaschen in der Müllhalde Schießübungen zu machen. Ein seltsames Gefühl zu wissen, dass man so wehrlos unterwegs ist.
Am nächsten morgen, dem 22. machen wir uns auf nach Shimkent und nehmen uns vor, trotz der üblen Vorankündigungen den Menschen in der Stadt ohne Vorurteile zu begegnen, und siehe da: Nur um festzustellen, dass “Gangster City” eine der bisher freundlichsten Städte ist. Zwar scheinen hier alle im Geld zu schwimmen, aber von Kriminalität und Aggression keine Spur. Wir erledigen also die üblichen Großstadt To Do’s, sehen glamouröse Hochzeiten und getönte Limousinen vorbeifahren und schicken mal wieder eine Ladung Speicherchips nach Hause. Gerade als wir uns aus der Stadt aufmachen wollen geht ein Wolkenbruch los und wir beschließen diesen mit einem Bier und Trocken-Fisch, eine traditionelle Kasachische Kombination in einer Bushaltestelle abzuwarten, nur um eine Stunde später dann doch im strömenden Regen loszufahren. Auf dem Weg aus der Stadt werden wir nochmals von einer Frau angehalten die beteuert sie habe uns im lokalen Fernsehen gesehen, man habe über uns berichtet. Das würde natürlich das Autogramm, die grenzenlose Freundlichkeit in Shimkent und die wirklich schon fast nervigen Hupkonzerte erklären die uns seit einigen Tagen begleiten. Sie besteht auf ein Foto, dass sie einer Zeitung verkaufen will.

“Verdammt, es wird schon dunkel, warum hört diese beschissene Stadt nicht auf, wir brauchen einen Schlafplatz” rufe ich Hansen zu, der 30 Meter hinter mir fährt. “Dann halt doch mal die Augen offen” ruft er zurück und deutet auf ein verlassenes Fabrikgelände, hinter dem eine passable Wiese zu sein scheint. Gerade als wir das Gelände durchqueren und uns auf die Wiese begeben wollen, sehen wir Licht in einer Fabrikhalle. Wir beschließen vorsichtshalber zu fragen, ob wir hier schlafen dürfen und werden es nicht bereuen: Wir werden von Norslan und seinem Vater, denen das Fabrikgelände gehört wo sie von Hand Backsteine aus Beton produzieren, zu sich nach Hause zum Essen eingeladen und dürfen dort auch schlafen. Unsere Räder bleiben mit allem im Fabrikgebäude, bewacht von den Arbeitern, während wir mit Norslans altem Lada eine wirklich abenteuerliche Fahrt zu ihm nach Hause antreten. Es ist vollkommen klar, warum hier alle 50 m ein Grab am Straßenrand steht. So vernünftig und erwachsen Norslan eben noch gewirkt hat, so leichtsinnig fährt er nun. Bei seinen Überholmanövern stemme ich meine Füsse auf den Boden und kralle mich an der Rückenlehne fest. Bei einem kurzen Stopp im Bazar stellt er fest, dass sein rechtes Vorderrad platt ist, was aber keinen Grund darstellt nicht weiter zu fahren. Wieder einmal merke ich, was mich schon öfters beeindruckt hat: Die Kasachen leben mit dem Tod. Es ist für sie kein Tabu, jeder kennt eine Hand voll Leute die in einem Verkehrsunfall ums Leben kamen oder waren selber schon an einem beteiligt. Ironischer weise hat man das Gefühl, dass sie dadurch sorgenfreier sind, spontaner, entspannter und das Leben intensiver genießen. Sie leugnen nicht, dass sie irgendwann mal sterben werden, manchmal hat man das Gefühl sie arbeiten sogar aktiv darauf zu!

Wie immer wird so reichlich aufgetischt, dass wir und total überfressen in Bett schleppen. Während dem Essen reden wir über Wölfe, den “Wolk” wie er hier heisst und dass man sich keine Sorgen machen brauche, weil er so scheu ist. Außerdem erzählt man uns, dass entgegen jeder Annahme, das Trinken und Rauchen in der Öffentlichkeit verboten ist. Das verrückteste daran ist, dass man eine Strafe dafür bekommt, wenn man keine Aschenbecher im Auto hat, und das in einem Land, wo die Reifen solang Gefahren werden bis sie platzen!

Als wir am 23. nach einem ebenso reichlichen Frühstück wieder in der Fabrik stehen und und von allen verabschiedet haben schenken wie Norslan noch einen selbstgebauten Glücksbringer: Einen Flicken für sein Rad (Reifen haben hier noch Schläuche) und symbolische 5 Dollar. Wie um uns zu übertrumpfen steckt uns keine 5 Minuten später Norslans Papa 5.000 Tenge zu, ablehnen wie immer unmöglich.

So machen wir uns wieder auf den Weg, einen weiteren Menschen in unser Herz geschlossen, auf in die Berge die endlich zum greifen nahe sind. Am Abend Zelten wie schon auf 1.200 m Höhe, an einem klaren Gebirgsbach umgeben von Gipfeln. Wie lange schon vermutet ist unsere Stimmung grenzenlos gut. Die Berge waren die Lösung für viele Stressmomente. Endlich Abwechslung, endlich Mückenfreie Zone, Endlich tief und fest schlafen in kalter, frischer Luft. Endlich eine neue Herausforderung die zugegebenermaßen beim Anblick der schneebedeckten Gipfel schon auch weiche Knie macht: Werden wir das schaffen? So hoch, so weit? Eine neue Ära in unserer Reise ist abgebrochen, haben wir doch bisher nicht einen Berg überquert!
Wir schlafen ohne Zelt und wachen am 24. auf als uns ein höchstens 10 Jahre alter Hirtenjunge von seinem Ross aus anbrüllt: “Akuda? Akuda?” Er lässt nicht locker bis wir all seine Fragen beantwortet haben.

Wir überqueren nach einem langen aber sehr motivierten Anstieg unseren ersten Pass in das Tal von Taras. Die Abfahrt ist wie auch für die LKW für unsere Scheibenbremsen eine Herausforderung. Als wir unten ankommen haben sich die Scheiben durch die Hitze dunkelblau eingefärbt.

“Das einzige was jetzt noch fehlt ist eine Einladung zum übernachten und essen” sage ich gerade zu Hansen, als vor uns ein BMW mit getönten Scheiben hält. Nurlik, der 28 jährige Kasache sitzt darin mit seiner Mutter und Frau und fragt uns was ich mir eben noch erhofft hatte: “I invitier you Food? Come to my House, please!”
Er eskortiert uns stolz mit dem BMW durch Taras zu seiner winzigen Wohnung wo er mit seiner Frau Maral, seiner Mutter Sheripal und zwei Brüdern wohnt. Nach einer Dusche und einem Nachmittags-Snack geht es fast nahtlos zu einem reichlichen usbekischen traditionellen Abendessen über. Das für Kopfschmerzen berühmte Shimkent Beer fließt in Strömen und es werden Pläne für die Zukunft geschmiedet, Musik gemacht (Hansen bekommt das “Kasachan” Secret auf der Ukulele beigebracht, eine einfache Rhytmus und Akkord Kombination) und wir werden in die kasachischen Namen Paulbek und Hansenbek getauft und bekommen dazu eine traditionelle Kasachische Kopfbedeckung geschenkt. Am nächsten morgen, den 25. werden wir von Nurlik und seiner Frau noch bis an die Kirgisische Grenze eskortiert. Wir haben beide einen unglaubliche Kater und schleppen uns mit letzter Kraft hinter dem BMW her. Fast eine Stunde fährt der geduldige Nurlik mit 20 km/h vor uns her. Wir verabschieden uns und Versprechen uns ein baldiges Wiedersehen, seine ganze Familie laden wir zu uns ein. Ich freue mich schon jetzt darauf sie in Berlin zu empfangen.

So sitzen wir also hier nun vor dem Kirgisischen Grenzposten und verballern unser übriges Kasachisches Guthaben. Ich beobachte den Grenzposten wie er immer wieder inbrünstig auf den Boden rotzt, eine Sache an die ich mich einfach nicht gewöhnen kann: Man stelle sich vor ein Muslim in voller Montur steht vor einem, und sagt “Salam a Laikum” nur um einem im Anschluss mit lautem Hochziehen vor die Füße zu rotzen. Es ist hier ganz normal, aber ich zucke jedesmal innerlich zusammen und fühle mich beleidigt und unsicher. Sogar die Polizei, die Bedienung im Café, der Banker und die junge Dame, alle rotzen sie.

Die Grenzprozedur ist unkompliziert. Wir treffen Alex, einen mongolischen Kirgisen der in Texas studiert hat. Er verabschiedet sich mit den Worten. “My Name is Alex, when I’m Drink, I’m sexy Alex! Hahaha”

Kaum über die Grenze tauchen wir in eine Landschaft von Flüssen, Seen und Bergen ein. Der riesige Stalin Staudamm mit einer 10 Meter großen Büste des Herrschers überrascht uns hinter einer Serpentine. Dahinter erstreckt sich ein Riesiger, tiefblauer und glasklarer Stausee. Wir suchen gerade nach einem Schlafplatz als wir von einer Kirgisischen Hochzeit zum Wodkatrinken gezwungen werden. Die Leute sind unangenehm aufdringlich und geben uns zu verstehen, dass sie es als eine persönliche Beleidigung auffassen wenn wir nicht ein Bier und ein Wodka mit ihnen trinken. Überraschender Weise lassen sie uns danach tatsächlich unserer Wege ziehen, natürlich nicht ohne ein enormes Gruppenfoto! Kaum wieder auf dem Rad werden wir hinter der nächsten Serpentine wieder zum Anhalten gezwungen. Diesmal sind es drei Opas die uns voller Stolz ihren gesamten Fang von 6 Fischen schenken und uns mit liebevollen Umarmungen und Küsschen auf die Backe verabschieden.

Als wir endlich unsern Schlafplatz finden ist es fast dunkel und bedrohlich finstere Wolken ziehen über die schneebedeckten Gipfel auf uns zu. wir bauen schnell unser Zelt auf, kochen eine Fischsuppe mit reichlich Fisch und verkriechen uns zum Schutz vor dem Sturm in unser Zelt.

Am 26. passiert eine Menge Erinnernswertes. Im ersten Dorf nach dem Stausee werden wir schon Morgens wieder auf Wodka eingeladen, können diesmal aber erfolgreich ablehnen. Wir kaufen eine Handykarte für das Kirgisische Netz und fahren weiter, immer bergauf durch endlose Dörfer. Mittlerweile bekomme ich schier das Kotzen wenn sich ein langes Bergdorf ankündigt. Das hat ganz einfache Gründe. Leider werden wir hier häufig für Amerikaner gehalten, die hier anscheinend sehr verhasst sind. So rufen teilweise am Anfang des Dorfes schon die Kinder und Jungen ein abfälliges “Americanski!” und bewerfen einen anschließend mit Steinen. Den Ruf wird man im Dorf dann nichtmehr los und so die ganze Strecke angegiftet und beworfen. Ab und An hilft es ihnen zuzurufen, dass man “Niemce”, also deutscher ist, aber man ist häufig leider einfach nicht Willkommen. So bekommt man Mittelfinger gezeigt, wird von Autos waghalsig und knapp überholt und fühlt sich vorallem so ungerecht behandelt. “Selbst wenn wir Amerikaner wären”, sagt Hansen, “diese Menschen können doch nicht einfach so pauschalisieren, wir haben ihnen doch nichts getan?”

Es ist wirklich zermürbend, aber immerhin trifft man außerhalb der Dörfer ständig freundliche Menschen die mit lieben Gesten und Unverständnis ihren Mitbürgern gegenüber die Wunden zu lindern vemögen.

Als wir gerade wieder aus Talas herausfahren entdecke ich, dass mein iPhone fehlt. Fieberhaft suche ich alles durch, es ist unauffindbar. Geklaut? Verloren? “Wo hattest du es zuletzt” würde mein Vater mich nun fragen und ich versuche mich zu erinnern. Ich hatte es zuletzt am morgen, als ich die Sim-Karte eingebaut hatte. Es ist hoffnungslos, wir können keine 80 km abfahren um es zu suchen, zumal es sicher längst jemand gefunden hätte. Hansen ruft auf dem iPhone an, es klingelt, aber keiner legt auf oder nimmt ab. Ein bisschen Hoffnung kommt auf. “Vielleicht hat es wirklich noch keiner gefunden? Und es liegt irgendwo am Strassenrand? Es sieht von hinten aus wie ein Stück Plastik, das Apple Logo habe ich schon lange überklebt” Sage ich zu Hansen in aufgeregter Stimmung. Dann fällt mir die Ortungsfunktion des Telefons ein. Sie ist aktiviert und über Hansens Handy könnten wir es Orten lassen. Aber der hat kein Guthaben mehr, also brauchen wir Geld, aber den Pin für meine Karte habe ich auf dem Handy gespeichert. Ein Teufelskreis: wir finden ein Internetcafe und können die Frau überzeugen, kurz ins Netz zu dürfen. Für 20 Dollar verkauft sie uns Internet und Guthaben im Wert von 11 Dollar, nachdem ich mit ihrer Schwester telefoniert habe die fließen Deutsch konnte und mein Problem erklärt war. Ich habe das Geld gerne gezahlt, denn das unglaubliche wurde wahr. Tatsächlich konnte mein Handy ca. 5 km außerhalb von Talas geortet werden, und es bewegt sich nicht. Es lag also dort oder jemand spielte gerade daran herum. Wir merkten uns die Stelle auf der Karte und rasten los, nicht ohne dass die Frau im Internetcafe mir ein posierendes Bild ihrer Schwester gezeigt hätte, sie wollte mich wohl verkuppeln, unglaublich! Nach einem wahnsinnigen Sprint kamen wir an der Stelle an, von dem Handy keine Spur. Es war die stelle, wo wir die LKW-Fahrer nach dem Weg gefragt hatten, hier musste es aus der Tasche gefallen sein. Wir sind die Stelle mehrfach abgefahren, aber kein Handy weit und breit. Nur ein Jeep parkte an der stelle in dem geheimnisvoll zwei Personen saßen und sich versteckten. Also habe ich mich angeschlichen und Hansen hat gleichzeitig angerufen, um zu sehen ob es im Auto klingelt. Aber statt zwei Dieben habe ich ein Lieespärchen beim Kuscheln überrascht.
Ein letztes mal bat ich Hansen mein Handy zu Orten und ich fuhr direkt zu der Stelle wo es angezeigt wurde, und tatsächlich, da lag es. Perfekt getarnt durch die spiegelnde Scheibe war es auch aus direkter Nähe kaum zu sehen.

Am nächsten Morgen beschlossen wir auf dem Bazar von Talas nochmal einzukaufen. Während Hansen den Einkauf erledigte wurde ich von den unterschiedlichsten Menschen belästigt und unterhalten. Während mir die einen Koks, Marihuana und Nutten verkaufen wollten, waren die andern liebenswerte Muslime die Ihre ungegerbten Schafspelze an den Mann bringen wollten. Einer von ihnen, schenkte mir zum Abschied seinen Gebetskette und schrieb mir die Gebete auf die ich dazu sprechen solle. Alla Hu Akbar, al Ham dullela und viele andere Sprüche, die für mich wie Zungenbrecher sind. Aber die Geste war so rührend, dass ich mit fest vorgenommen habe die Gebete wenigstens einmal durchzusprechen, also insgesamt 300 mal aufzusagen.

Am Nachmittag haben wir uns dann aufgemacht Richtung Ötmök, wo wir unseren ersten knapp 3000 m hohen Pass überfahren müssen, und anschließend direkt einen 3.300 m hohen Pass. es ging den ganzen Tag wieder bergauf, und wir haben in 4 Fahrtstunden 60 km zurückgelegt und sind von 800 auf knapp 2000 Höhenmeter gestiegen. am Abend haben wir uns einen Schlafplatz, geschützt vor dem Wind zwischen Felsen gesucht und dabei zwei Hirten getroffen die gerade ein vom Wolf angefallenes Rind zur Notschlachtung brachten. Am Hinterteil des armen Tieres klafften riesige Bisswunden. Auch wenn Wölfe Menschen nicht angreifen solange es anderes zu jagen gibt, hat uns der Anblick des Rindes etwas Angst gemacht.

Die Nacht war dennoch ruhig und erholsam. Hier sitze ich nun und Hansen bastelt an unserer Handbremse für das Fahrrad, die gleichzeitig den Lenker blockieren soll, so dass ein Abstellen des bepackten Rades auch auf schiefen Flächen möglich wird.

Hier noch ein paar Bilder:

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