Ich habe so lange meine Tagebuchpflichten vernachlässigt, und statt dessen eine Stichwortliste geführt, dass mir nun hier in Uralsk, Kasachstan einfach die Muße fehlt das auszuformulieren. Nur kurz als Zusammenfassung
Wir sind nach unserem Sprint von Moskau nach Kasachstan endlich in Uralsk angekommen
Ein freundlicher alter Mann Sergey hat uns an seiner abenteuerlichen Pumpstation in der er Wasser mit riesigen alten Maschinen aus dem Boden saugt nicht eine Flasche Vodka sondern Voda angeboten, also einfach nur sein Wasser auf das er wirklich sehr, sehr stolz war. Sein Hund hieß “Palma”
Sternwarten haben auf die Distanz erschreckende Ähnlichkeiten mit Moscheen, ist das Zufall?
Ebenso wie Klingeltöne werden in Russland und Kasachstan die Hupen der Autos als Statussymbol verwendet, entsprechend pfeift, klingelt, dröhnt und gackert es auf den Straßen
Ich habe gesehen, wie sich der kasachische Grenzsoldat auf mein Fahrrad gesetzt hat (es war ihm viel zu groß) und ein Foto davon hat machen lassen, mir wurde ein Foto leider verweigert
Für unsere Fahrräder mit allem Gepäck wurden mir 10000 Tenge geboten, umgerechnet 50€
Unsere Fahrräder werden sehr oft aufmerksam begutachtet und testgesessen und anschließend bekommen wir das Urteil: Sehr gut! Ich bin erleichtert
Ich bin haarscharf an einem Salto mit 20 km/h vorbei als sich mein Kamerastativ im Vorderrad verhakt und dieses blockiert hat. Nur der 5 Liter Wasserkanister auf meinem Gepäckträger hat den kompletten Überschlag verhindert. An Mama: Es ist alles gut gegangen, die Gefahrenquelle ist beseitigt ;o)
Kurz nach unseen Telefoninterview mit SWR sind wir in einen heftigen Hagelgewittersturm
gekommen, mitten in der Prärie: ein beeindruckendes Erlebnis
Da es hier keine Seen gibt, duschen wir uns mit unsrem 5 Liter Wasserkanister
Die längsten 30 km meines Lebens bin ich vorgestern gefahren: Verstimmter Magen, kotzübel, Gliederschmerzen, Wasser trinken und essen nicht möglich, kein Wasser mehr um einfach im Zelt zu überdauern, ca. 40 km/h Gegenwind, alles bergauf, brütende Hitze, schlechte Strasse: Für 30 km haben wir 8 Stunden gebraucht
In den GUS Ländern ist Bestechung täglich zu beobachten, Schema: Polizist winkt willkürlich chickes Auto heraus, bittet auf die Rückbank, 5 Minuten später geht Angeklagter, verabschiedet sich mit Handschlag, Portmonaie in der Hand. Auch uns belästigt die Polizei, auch wenn sicher nur gut gemeint: Hält uns mit Sirene an, fragt uns aus aber keine Passkontrolle oder Visakontrolle, steht auf den Boden rotzend neben einem, bedient sich einfach ohne zu fragen bei den Keksen, verabschiedet sich mit: “Hitler kaputt”, oder “Jawoll Herr Hauptmann, alle deutschen Soldaten zurück nach Hause!”
Hotels kosten 25€ umgerechnet, schwanken aber zwischen Bruchbude mit Kaugummi auf Kopfkissen und verschissener Klobrille bis zu antikem Tropenhotelstyle mit Bad, heißer Dusche in Kellerverlies und orientalischen Teppichen unter 1,5 m langen Betten
“Geld ist alles”: Denkt man hier zwar selten aber wenn, dann richtig: Ich habe selten Menschen erlebt die so Geldgeil sind wie hier, Fremdenfreundlichkeit ist hier leider manchmal nur als Deckmantel für unbemerkte Abzocke.
Uralsk hat einen riesigen sehr günstigen Markt
Goldzähne sind hier Statussymbol, jeder Mann, sogar kleine Kinder haben die vordere Beissschiene komplett aus Gold
Taxifahren kostet immer die Hälfte von dem was man am Anfang gesagt bekommt
Im Bus bezahlt man wenn man aussteigt
Wodka kauft man hier im Restaurant nicht als Shot, sondern im halben Liter und Russen vertragen nicht viel Alkohol, trinken aber um so mehr.
Ich habe den schlimmsten Kater meines Lebens
Noch Fragen?
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