Nachtleben

Posted by on May 28, 2012

Die nächsten Tage fahren wir weiter über Qobda nach Aktöbe. Hansens Erkältung ist immer noch nicht besser, also beschliessen wir hinter Aktöbe ein paar Tage Pause zu machen um uns komplett zu erholen. Wir decken uns also in Aktöbe ein für drei Tage und suchen uns außerhalb einen schönen Platz. Für die knapp 12 Kilometer bis zu dem Fluss den wir uns ausgesucht haben brauchen wir eine kleine Ewigkeit: Orkanartiger Gegenwind, die Fahrräder schwer beladen mit Karotten, Tee, Nudeln, Tomaten, Keksen, Brot, Butter, Zitronen, Äpfeln und neben den 35 Litern Wasser noch vieles mehr. Als wir endlich am Fluss ankommen haben wir eine der bisher schönsten Stellen auf unserer Tour gefunden: Ein kleiner, klarer Fluss schlängelt sich durch ein kiesiges Flussbett, gesäumt von Sanddünen, weiten sanft geschwungenen Grashügeln und Weidenbüschen. Bleibt nur noch die Querung, denn die ausgeguckte Stelle unter der Pappel mit Schattenplatz im weichen Sand liegt auf der anderen Seite. Wir finden eine Stelle wo der Fluss seicht ist und Hansen nimmt Anlauf. Mit dem voll bepackten Rad prescht er in den Fluss, der leider nicht ganz so seicht ist wie gedacht. Trotzdem fährt er eisern strampelnd bis zu anderen Seite durch und sinkt dabei bis über die Radachse in Fluss ein. Ein bisschen erinnert mich das Bild an einen Reiter der durch das Wasser galoppiert.

Jetzt ist es Nacht. Die Silhouetten der Bäume biegen sich im Sturm und Die Wolken ziehen schnell an dem schlanken Mond vorbei. Wir sitzen vor dem Zelt, der Sand unter den Füßen und Hansens Gesicht ist im schwachen Licht seiner Stirnlampe zu sehen. Wir haben gegessen und genießen das Rauschen und die durch den Wind mückenfreie Nacht. Es wird kitschig: Wir reden über die Sterne, den Mond, und über Frauen und stellen fest, dass wir beide Lust haben und mal wieder richtig zu verlieben. Der verpasste Frühling und die gleichzeitige Enthaltsamkeit zeigt seine Wirkung!

Die nächsten Tage verbringen wir mit kleineren Reparaturen wie dem Flicken meines Lenkerbandes, Kette nachspannen, Stative reparieren, so wie verschiedenen Basteleien wie einen Ständer fürs Rad, Stühle für unsere “Küche” und Windschutz für den Kocher. Wir spielen Tic Tac Toe im Sand mit einem stummen Cowboy dessen Kuhherde uns in alter Gewohnheit auf ihrem Weg zum Fluss fast überrannt hätte und der uns als Dankeschön für den angebotenen Tee ein Stück Bauchspeck aus der Jackentasche zaubert. Wir fangen Heuschrecken zum Angeln von Barschen und haben einen Hecht am Haken, grillen Brot und Hecht am Lagerfeuer, rufen unsere geliebte Schwester an, sie hatte Geburtstag, misten unsere Sachen aus und schreiben kein einziges mal Tagebuch, weil das einfach manchmal nervt :o)

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