Es ist der 2.7. 6 Uhr morgens. Ich sitze am Feuer und koche Wasser für den Instant Coffee “MacCoffee”. Hansen ist noch drüben auf der Halbinsel, er baut das Zelt ab. Ich war schon um 5 wach und habe die Räder und das Gepäck an “Land” gebracht.
“Kaffee ist fertig”, rufe ich zu ihm rüber. Mein Ruf hallt von den Wänden des Canyon wieder und verliert sich in der Weite des Flusses. Den ganzen letzten Tag haben wir auf der Halbinsel verbracht, weil Hansen eine glücklicherweise sehr flüchtige Magen Darm Erkrankung hatte, eventuell auch einfach was Falsches gegessen. So habe ich gestern den ganzen Tag erfolglos versucht zu Angeln und ansonsten im Schatten gelegen und rumgegammelt, völlig ziellos und ohne jegliche Aufgabe die es zu erledigen gegolten hätte. Oder anders gesagt, mir war langweilig – und das war gut so. Ich hatte Zeit nochmal über meinen Post nachzudenken, in dem ich von der direkten Verbindung zwischen Kasachstan und Deutschland geschrieben hatte, und dass das langsame, meterweise Abfahren dieser Verbindung einem ein ganz anderes Gefühl von den Beziehungen der Orte gibt, das Gefühl, sie seien nicht getrennt, sondern tatsächlich verbunden. Gestern fiel mir auch eine Kehrseite dieser Art zu reisen auf: es fehlt der klare Schnitt zwischen den Kulturen in Form eines Fluges oder einer Zugfahrt. Ich bin zwar in Kirgisistan, aber mein zu Hause ist “nur” eine “Radtour” entfernt, entsprechend schwer fällt es einem manchmal sich vor Augen zu führen, dass man tatsächlich ganz wo anders ist, in Kulturen die unterschiedlicher nicht sein könnten, in Ländern wo Krieg und Terror nur wenige Jahre her ist und wo man auf Amerika spuckt. Für mich scheint es fast normal hier mit dem Rad entlangzufahren, aber das ist nicht normal! Wenn man mit Fragen gelöchert wird, wenn junge Männer mit aus meiner Sicht lächerlichem Prollgehabe versuchen einen zu stechen oder zu beeindrucken, wenn einem ständig vor die Füße gerotzt wird, wenn nichts wichtiger ist als auf einem unserer Fotos abgelichtet zu sein, dann ist das normal! Auch wenn ich mit dem Rad hier her gefahren bin, ich bin in einem Land wo man normalerweise hinfliegt, und nicht in Brandenburg auf einer Radtour! Ich will damit nicht sagen, dass mein oben angesprochener Post falsch wäre, es trifft nach wie vor zu, aber die Idee des einen großen Ganzen das miteinander verbunden ist kollidiert auf gewisse Weise mit den teilweise sehr klaren kulturellen Grenzen, die deutliche räumliche Trennungen provozieren. Diese Trennungen kann man nicht einfach “weg-verbinden” indem man mit dem Rad darüber hinweg fährt. Oder anders gesagt und evtl. ja auch ein banaler Gedanke: Räumliche Verbindung bedeutet nicht kulturelle Einheit. Oder noch etwas weiterführender: Wenn man davon ausgeht, dass räumliche Verbindung universell, also überall vorhanden ist, und Trennung nur im Kopf existiert, bedeutet die Verbindung alles und nichts zugleich!
So, etwas abgedriftet, aber das darf auch mal sein.
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